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Römerlager Anreppen

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Lagergraben am Römerlager mit Infotafel
Rekonstruktion des Lagergrabens mit Informationstafel

Das Römerlager Anreppen wurde erst 1968 entdeckt. Jahrzehntelang führte das Westfälische Museum für Archäologie in Haltern Grabungen durch. Das 23 Hektar große Lager zählt zu den wichtigsten frührömischen Denkmälern in Deutschland. Es liegt direkt am heutigen Südufer der Lippe und hat die Form eines unregelmäßigen, lang gestreckten Ovals. Etwa 500 Meter und 700 Meter östlich des Lagers wurden Teilstücke von zwei römischen Verkehrswegen gefunden.


Der Krieg der Römer und Germanen

Vor 2000 Jahren führte Rom Krieg gegen die Germanen (12 vor Chr. bis 16 nach Chr.). Konkrete Kriegsziele sind nicht überliefert. Andererseits teilen uns die antiken Historiker viele Einzelheiten über den Kriegsverlauf, über die inneren Verhältnisse in Germanien und über die Taten der Germanen wie den bedeutenden Kriegsherrn Arminius mit.

In diesem Krieg lassen sich vier Hauptphasen ablesen: die Feldzüge des Drusus (12 bis 9 vor Chr.), die Feldzüge des Vinicius und Tiberius (1 bis 5 nach Chr.), die des Varus (7 bis 9 nach Chr.) und in Reaktion auf die katastrophale Varusschlacht die Rachefeldzüge des Germanicus (14 bis16 nach Chr.). Im Jahre 16 wurden auf Anordnung des Kaisers Tiberius die Kampfhandlungen eingestellt.



Die Römerlager an der Lippe

Im Verlauf des Krieges entstanden an der Lippe römische Militärlager: in Dorsten-Holsterhausen, in Haltern am See, in Bergkamen-Oberaden und in Delbrück-Anreppen. Diese Lager wurden zu unterschiedlichen Zeiten erbaut und auch wieder geräumt. Es sind so genannte Holz-Erde-Lager. Alle Bauwerke waren als Fachwerk- oder reine Holzkonstruktionen ohne Verwendung von Steinen errichtet worden.



Das Römerlager Anreppen

Das Römerlager von Anreppen ist erst nach der Zeitenwende entstanden. Der römische Historiker Velleius Paterculus (II, 105) berichtet zum Jahr 4 vom Bau eines Winterlagers am Oberlauf der Lippe. Dazu passen mehrere ins Jahr Chr. zu datierende Bauhölzer von einer Mannschaftslatrine und einem Brunnen. Zuvor hatte es eine etwas ältere Militäranlage gegeben, denn im Ostteil des Lagers wurde ein römischer Wehrgraben ausgegraben. Das Enddatum des Römerlager Anreppens ist weniger eindeutig zu bestimmen. Nach neuesten Erkenntnissen erfolgte kurz nach dem Ende der Feldzüge des Tiberius die Räumung. Unter den etwa 400 Fundmünzen gibt es keine einzige, die mit der Statthalterschaft des Varus in Verbindung gebracht werden kann. Zurzeit der Varusschlacht im Jahre 9 wuchs über den Ruinen des Römerlagers Anreppen bereits seit etwa drei Jahren das sprichwörtliche Gras.

Im Verlauf der Ausgrabungen wurde etwa ein Drittel der Lagerfläche wissenschaftlich untersucht. Im Einzelnen sind dabei die Grundrisse des Kommandeursgebäudes (praetorium) mit benachbarten Gartenanlagen und repräsentativen Wohngebäuden freigelegt worden. Hinzu kamen weiterhin das Lagerbad mit mehrfach erneuerter Ofenanlage, mehrere Mannschaftsquartiere an der südlichen Lagerfront und in der Nähe der via praetoria, das südliche und östliche Lagertor sowie mehrere Getreide- und Materialspeicher.



Besonderheiten des Römerlagers Anreppen

Von herausragender Bedeutung ist der architektonische Entwurf des Kommandeursgebäudes, das palastartige Ausmaße (47,5 Meter x 71 Meter) aufwies. Für einen normalen Kommandeur wäre ein solcher Prachtbau völlig überdimensioniert gewesen, nicht aber für den Oberbefehlshaber Tiberius, der inzwischen offiziell als künftiger Nachfolger des Kaisers Augustus galt.

Einzigartig unter den Römerlagern Westfalens ist auch das ca. 23,5 Meter x 42 Meter große Militärbad. Hier wurde den Soldaten auf einfache Weise der übliche Badeablauf angeboten. Der Badegast betrat zunächst das Kaltbad (frigidarium), anschließend ging er zum Aufwärmen in das Warmbad (tepidarium) und danach schritt er weiter in den heißesten Raum, das Heißbad (caldarium). Das Anreppener Militärbad fungierte in erster Linie als hygienische Einrichtung, nicht als Stätte des Vergnügens.

Auch die Menge an Speichergebäuden stellt eine Besonderheit dar. Die Speicher standen in Nähe des Süd- und des Osttores. Direkt am Südtor lag ein riesiger 56 Meter x 68 Meter großer Speicher. Am Osttor dagegen entstand eine regelrechte Speicherstadt, in der mehrere Getreide- und Materialspeicher durch eine hölzerne Palisade vom übrigen Lagerareal abgetrennt waren. Wegen dieser einzigartigen Häufung an Magazinen, die den Eigenbedarf der Lagerbesatzung bei Weitem übertrafen, muss das Lager von Anreppen neben der Rolle als Truppenlager noch eine weitere Funktion gehabt haben: die Aufgabe eines logistischen Stützpunktes, von dem aus die weit im Osten Germaniens kämpfenden Truppen versorgt wurden.

Bei den Grabungen im Römerlager Anreppen wurden zahlreiche Funde entdeckt, die in erster Linie als Abfall in den Boden gelangten. Bei den Funden handelt es sich um tägliche Gebrauchsgegenstände der Soldaten, vor allem um zerbrochenes Keramikgeschirr. Zu den Fundobjekten zählen auch Vorrats- und Kochgefäße, Metallobjekte wie Werkzeuge, Nägel und Ausrüstungsteile der Bewaffnung. Die repräsentativen Fundstücke sind im LWL - Römermuseum in Haltern am See ausgestellt.



Lehrpfad weist den Weg durch die Geschichte

Der neu errichtete archäologische Lehrpfad beginnt an der Informationshütte mit den einführenden Tafeln I-IV, geht weiter zu dem riesigen Speicher am Südtor (V), zum Südtor (VI) und zur ehemaligen Befestigung (VII). Die Tafeln VIII-X führen in die Quartiere der Soldaten. Unweit des Soldatenlärms lag das imposante, 3.375 m² große Haus des Kommandeurs (XI). Im Norden stand einst ein Militärbad (XII). Abschließend führt der Weg in die Nähe der Getreidespeicher (XIII) am östlichen Lagertor. Auf Wunsch werden auf dem Gelände Gruppenführungen durchgeführt. Diese können nach vorheriger Terminabsprache über die Stadt Dlebrück, Tel. 05250 996-112 bzw. über tourist@stadt-delbrueck.de organisiert werden.





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